Die Sagrada Familia das Wahrzeichen von Barcelona. Seit mehr als 100 Jahren wird an der Kirche des spanischen Architekten Antoni Gaudí schon gebaut. Daher auch der Beiname „die ewig Unvollendete“.

Die Sagrada Familia hat einen ganz besonderen Geist. 43 Jahre lange baute Gaudi an seinem Lebenswerk. Bis er 1926 von einer Straßenbahn überfahren wurde. Als Gaudi verstarb, stand erst einer der achtzehn geplanten Türme. Seit seinem Tod arbeiten Architekten aus der ganzen Welt an seiner Kirche. Das Geld dafür sammelt die Stiftung des Sagrada Familia. Jährlich stehen rund 20 Millionen Euro zur Verfügung , um Gaudis Werk zu vollenden. Es ist -so scheint es – leichte Gaudi zu folgen, denn er hat viele Elemente hinterlassen, die gut durchdacht sind, sodass seine Nachfolger seinen Ansatz besser verstehen können.

Gaudi war ein geistreicher Architekt, bei ihm entstanden die Ideen während der Arbeit. Außerdem steckt in der Kirche System. Sie ist 90 Meter lang, geteilt mit Säulen, im Abstand von 7,5 Metern. Der höchste Turm soll 170 Meter messen und macht die Kirche zu dem zweit höchsten Gebäude der Stadt. Teile der Sagrada Familia gehören seit 2005 zum UNESCO-Welterbe. Seinen Nachfolgern hat Antoni Gaudi keine Baupläne hinterlassen. Er arbeitete mit Gipsmodellen, diese wurden größtenteils im spanischen Bürgerkrieg in den 30er Jahren zerstört. Im Keller der Kirche werden die Modelle, mit Hilfe der Reste nachgebaut. Rund 40 Architekten planen damit die zukünftigen Elemente der Sagrada Familia. Den Weiterbau verstehen sie als Pflicht. Die Kirche sollte einst die Sünden der Stadt kompensieren. Aber werden diese Architekten Gaudis Erbe gerecht? Sie versichern, ihr Bestes zu geben.

Letztendlich wird oft Jahrhunderte lang an Kathedralen gebaut und im Allgemeinen schenkt man ihnen Bewunderung. Am Weiterbau der Kirche scheiden sich die Geister. In den 50er Jahren unterschrieben Architekten eine Petition gegen den Weiterbau der Kathedrale. Die Unterschriftenaktion, bei der sich unter anderem die Architekten Le Corbusier und Walter Gropius beteiligten, blieb erfolglos. Aber bis heute wird Kritik laut. 2009 starten wichtige Vertreter der spanischen Kunstszene die Aktion „Alarmstufe ROT für GAUDI“. Trotz oder gerade wegen des Unvollendeten, die Sagrada Familia ist die wichtigste Sehenswürdigkeit Barcelonas.

Jedes Jahr besuchen rund zweieinhalb Millionen Menschen die Kirche im Zentrum der Stadt. 80 Prozent für den Weiterbau stammen aus den Eintrittsgeldern. Die 90 Meter breite Kirche weihte der Papst im November 2010. Eine genaue Einschätzung, ob die Arbeiten an der Kirche bei Gaudis 100. Todestag im Jahr 2026 wirklich abgeschlossen sein werden, gibt es nicht. Aber auf ein paar Jahre mehr käme es ja auch kaum an.